Was ist tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie?

Lesedauer: 10 Minuten

Anne-Sophie Ehrke

Psychologische Psychotherapeutin - erklärt Ihnen hier alles Wichtige, was Sie über tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie wissen sollten.

ERKLÄRUNG

Was bedeutet tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie?

Frau Ehrke:

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie geht davon aus, dass aktuelle Beschwerden oft mit unbewussten Konflikten und prägenden Beziehungserfahrungen zusammenhängen. Damit sind vor allem Erfahrungen zu Bezugspersonen aus der Kindheit gemeint wie z.B. den Eltern oder Großeltern. Viele Verhaltensweisen, Gefühle oder Reaktionsmuster haben sich im Laufe des Lebens entwickelt und waren ursprünglich sinnvoll. Heute können sie jedoch dazu führen, dass wir immer wieder in ähnlich belastende Situationen geraten. Gemeinsam versuchen wir zu verstehen, wie diese Probleme entstanden sind und wie sie sich auf das heutige Leben auswirken.

Heißt das, dass in der Therapie vor allem über die Vergangenheit gesprochen wird?

Frau Ehrke: Die Vergangenheit spielt eine wichtige Rolle, weil sie hilft, die Entstehung aktueller Probleme besser zu verstehen. Im Mittelpunkt der Therapie steht jedoch immer das gegenwärtige Erleben im „Hier und Jetzt“. Entscheidend ist die Frage, warum bestimmte belastende Gefühle oder Verhaltensweisen in Beziehungen immer wieder auftreten und wie sie sich verändern lassen. Ziel ist es nie, die Vergangenheit möglichst genau zu beschreiben, sondern sie für das Verständnis der aktuellen Situation zu nutzen.

Gibt es da einen Zusammenhang mit der Psychoanalyse und Sigmund Freud?

Frau Ehrke: Ja, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hat ihre Wurzeln in der Psychoanalyse und geht auch auf die Arbeiten von Sigmund Freud zurück. Viele der Grundgedanken, etwa dass unbewusste Konflikte und frühe Beziehungserfahrungen unser Erleben und Verhalten beeinflussen können, stammen aus dieser Tradition. Gleichzeitig hat sich das Verfahren über viele Jahrzehnte weiterentwickelt und verbindet diesen Grundgedanken mit Erkenntnissen aus moderner Forschung zu Entwicklungspsychologie und Neurobiologie. Im Unterschied zur klassischen Psychoanalyse findet die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie im Sitzen statt und konzentriert sich stärker auf aktuelle Beschwerden und konkrete Lebenssituationen.

Ablauf

Wie läuft eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ab?

Frau Ehrke: Die Therapie beginnt mit ca. 2-4 probatorischen Sitzungen. In diesen Gesprächen lernen wir uns kennen, klären die Anliegen und prüfen gemeinsam, ob die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie das passende Verfahren ist. Anschließend entwickeln wir individuelle Behandlungsziele. Die Gespräche finden in der Regel einmal wöchentlich statt und orientieren sich an den persönlichen Themen.

Was kann sich durch eine Therapie verändern?

Frau Ehrke: Viele Menschen erleben im Verlauf der Therapie, dass sie ihre Gefühle besser verstehen, eigene Bedürfnisse klarer wahrnehmen und wiederkehrende Beziehungsmuster früh erkennen. Dadurch entstehen neue Handlungsmöglichkeiten und mehr innere Freiheit im Umgang mit belastenden Situationen. Veränderungen entwickeln sich meist Schritt für Schritt und können langfristig zu mehr Stabilität und Lebensqualität beitragen.

Wie lange dauert eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie?

Frau Ehrke: Die Dauer richtet sich nach den individuellen Beschwerden und den gemeinsam vereinbarten Therapiezielen. Eine Kurzzeittherapie umfasst max. 24 Sitzungen und eine Langzeittherapie max. 100 Sitzungen. In den ersten Gesprächen lässt sich häufig bereits einschätzen, welcher Umfang sinnvoll sein könnte. Während der Therapie wird der Verlauf regelmäßig gemeinsam ausgewertet, sodass auch Anpassungen möglich sind.

Wer übernimmt die Kosten?

Frau Ehrke: Die Kosten werden vollständig von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Bei privaten Krankenversicherungen und der Beihilfe hängt die Kostenübernahme vom jeweiligen Tarif ab und es können Zuzahlungen nötig werden. Hierzu kann Ihnen Ihre Krankenkasse Auskunft geben. Es ist natürlich ebenfalls möglich, eine Behandlung selbst zu bezahlen. In diesem Fall legen wir die Gebührenordnung für Psychotherapeut:innen (GOP) zugrunde.

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Häufig gestellte Fragen zum Thema

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Nein, wir sind keine ärztliche Praxis, daher können durch uns keine Medikamente verschrieben werden. Wir können Sie dazu beraten und Ihnen eventuell ärztliche Praxen empfehlen. Einfluss auf die Terminvergabe dort oder die Verschreibung von Medikamenten haben wir aber nicht.

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Nein, wir führen keine Warteliste - dafür ist die Menge der Anfragen bei uns einfach zu groß.

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Die ersten Termine sind bei uns Probetermine (sogenannte “Probatorik”). Sie entscheiden zunächst am Ende des ersten Termins, ob Sie noch einen weiteren Termin vereinbaren möchten. Die “Probephase” kann mehrere Termine umfassen. Über den genauen Ablauf informiert Sie Ihre Therapeutin umfassend beim ersten Termin.

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Von der Therapeutin werden die notwendigen administrativen Informationen an die Krankenkasse weitergegeben: Diagnose(n) und Behandlungsdaten. Persönliche Inhalte oder Details aus den Therapiesitzungen werden im Falle der schriftlichen Beantragung einer Langzeittherapie anonymisiert an eine:n Gutachter:in der Krankenversicherung weitergegeben, da das Vorgehen der Therapeutin gutachterlich geprüft wird. Mitarbeiter:innen der Krankenversicherung erhalten keine persönlichen Informationen. Lediglich in seltenen Ausnahmefällen (bspw. längerfristiger AU) sind Therapeut:innen gegenüber den Kostenträgern auskunftspflichtig. Sollte dies bei Ihnen der Fall sein, informieren wir Sie ausführlich.

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